Chancen und Risiken bei der Integration von Migranten aus Nicht-EU-Staaten in Österreich
20. 4. 2016

Die Flut der Migranten – vor allem jene der Flüchtlinge aus dem islamischen Raum – stellt Österreich vor Herausfor-
derungen ganz besonderer Art.

Zum einen ist es die schiere Zahl von Migranten, die es zu integrieren gilt. Und zum anderen sind es die nicht immer vorhandenen Angebote wie auch die mangelnde Bereitschaft der Flüchtlinge zur Integration – vornehmlich – in den Arbeitsmarkt.


In diesem Blog versuche ich Antworten auf folgende Fragen zu finden:


(1) Vor welchen Problemen stehen wir heute bei der Integration von Migranten? Wie ist die statistische Ausgangslage?


(2) Soll bzw. muss es immer eine Gleichbehandlung von Migranten geben?


(3) Sind die Ängste der Alteingesessenen vor Migranten berechtigt?


(4) Brauchen wir eigentlich Migranten?


(5) Kann eine Integration – vornehmlich in den Arbeitsmarkt – glücken?


(6) Und wie wird es letztlich im „worst-“ oder im „best-case-szenario“ weitergehen?

A. Ausgangslage


A1. Vor welchen Problemen stehen wir?


Europa ist von „failed states“ umgeben wie der Ukraine im Osten und einem islamischen Block im Süden, der über-
dies eine demografische Bombe darstellt.


1950 zählten die arabischen Länder ungefähr 76 Millionen Menschen, im Jahr 2010 waren es bereits 360 Millionen und für das Jahr 2050 werden 630 Millionen erwartet.


Im Vergleich dazu die demografische Entwicklung in Österreich: 1960 wurden ungefähr 7 Millionen Einwohner gezählt, 2015 waren es 8,6 Millionen und 2030 werden es über 9 Millionen sein.


Der enorme Druck auf einzelne EU-Länder (darunter vor allem auf Österreich) führt zu unterschiedlichen Problemen:


(1) Die steigende Migrantenflut wird zu neuen Steuern und Steuererhöhungen führen.


(2) Verlust unserer säkularen Kultur, unserer Lebensweise und unserer nationaler Identität, wie wir sie kennen.


(3) Gefahr, dass wir zukünftig unseren nationalen Wohlstand mit den Eingewanderten werden teilen müssen.


(4) Flüchtlinge, die zu uns kommen, wollen in der Regel auch bleiben. Sie und ihre Nachkommen sind aber nur zum geringen Teil in den Arbeitsmarkt integrierbar. D. h. man wird zusätzliche Transferzahlungen zu leisten haben, um präventiv Kriminalität und Terrorismus vorzubeugen.


(5) Zunehmende politische Spannungen und steigende Radikalisierung unter der alteingesessenen Bevölkerung.

A2. Was tut not?


Vor ungefähr 55 Jahren standen wir vor einem ähnlichen Problem. Die Wirtschaft benötigte billige Arbeitskräfte und auch neue Konsumenten.

Man sprach damals von einer saisonalen oder auch zirkulären Migration. Aber die meisten blieben und schlugen Wurzeln.

Und heute wieder treibt die (deutsche) Wirtschaft das gleiche Spiel und giert nach neuen billigen Arbeitskräften, wofür der deutsche Plan der 1€-Job ein beredtes Beispiel bietet.

Es ist sehr wichtig, zwischen Arbeitsmigranten und Flüchtlingen zu unterscheiden. Nach der Genfer Konvention sind Flüchtlinge Menschen, die in ihren Heimatländern aus unterschiedlichen Gründen verfolgt werden.

„Wirtschaftsflüchtlinge“ hingegen versuchen ihr Leben in einem anderen Land zu optimieren.



Migranten auf dem Brunnenmarkt

Migranten auf dem Brunnenmarkt



Migranten im öffentlichen Raum

Migranten im öffentlichen Raum



Arbeitsmigranten nach ihrem Arbeitseinsatz

Arbeitsmigranten nach ihrem Arbeitseinsatz



A3. Anmerkungen zu statistischen Analyse


Die eher kursorischen Anmerkungen zur Lage der Migranten in Österreich wurden weitgehend der sehr informativen Broschüre: “migration & integration“ von Statistik Austria (2015) entnommen.

(1) 1.715.000 Menschen oder 20,4 % der österreichischen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Dazu zählen die 1.255.000 im Ausland Geborenen und deren Nachkommen in der 1. Generation mit 460.000 Personen. Vor 55 Jahren waren es nicht mehr als 100.000 Personen. In Wien weisen derzeit bereits 42 % der Bevölkerung – mit rasant steigender Tendenz – einen Migrationshintergrund auf.


(2) 170.000 der Migranten kommen aus Deutschland, 115.000 sind türkischstämmig, 114.000 stammen aus Serbien, 93.000 aus Bosnien und Herzegowina sowie 73.000 aus Rumänien. Von außerhalb der EU kamen noch beträchtliche Gruppen aus Russland (Tschetschenien) und Afghanistan.


(3) 2014 betrug die Gesamtarbeitslosigkeit 8,4 %, bei den Migranten war die Arbeitslosenquote mit 20,3 % mehr als doppelt so hoch.


(4) 574.000 Muslime leben derzeit in Österreich (Stand: 2013). Dies ist ein Anstieg um fast 70 % seit der Volkszählung 2001, der letzten bei der noch die Religionszugehörigkeit erhoben wurde. In Wien sind es 216.000 Personen oder 12,5 % der Wiener Bevölkerung, die sich als Moslems bezeichnen. Der wahre Anteil wird aber wegen der Flüchtlinge bedeutend höher sein.


(5) In den Jahren zwischen 2000 und 2014 wurden 310.000 Asylanträge gestellt.

Im Schnitt ungefähr 28.000 Anträge pro Jahr. 2015 waren es aber bereits mehr als 90.000 Asylanträge.

Und nur im ersten Quartal des Jahres 2016 in den Winter-
monaten mit einem eher schwächeren Zuzug wurden bereits etwas mehr als 17.000 Asylanträge gestellt.

Wo wird dies enden?

Wenn man sich an die neuen Richtwerte hält, dann dürften es zukünftig nur mehr 40.000 jährlich sein. Wenn aber in den nächsten Jahren dieser Ansturm weiter anhält und wir uns an den vorgegebenen Richtwerten – zuzüglich 15.000 Personen Familiennachzug- orientieren, dann ist bis zum Jahr 2030 mit einem weiteren Anstieg der Migranten um 900.000 Personen zu rechnen.

D.h. ein Drittel und mehr der österreichischen Bevölkerung wird dann einen Migrationshintergrund aufweisen.

Und in der Bundeshauptstadt gibt es dann eine Mehrheit der Wiener mit Migrationshintergrund.


(6) Der Anteil ausländischer Tatverdächtiger betrug 2014 28,5 % (35 %, wenn die nicht in Österreich Wohnhaften dazu gerechnet werden). Es wurden viermal so viele ausländische Staatsangehörige verurteilt wie Österreicher. Es gibt aber keine Kriminalstatistiken über Personen mit Migrationshintergrund und mit österreichischer Staatsbür-
gerschaft bzw. diese werden nicht veröffentlicht.



Migranten als Konsumenten

Migranten als Konsumenten



Verschleierte Muslima beim Einkauf

Verschleierte Muslima beim Einkauf



Vollverschleierte

Vollverschleierte


B. Gleichheit und Migration


Eine Grenzziehung zwischen den Alteingesessenen und den Zugwanderten verläuft unterschiedlich in den einzelnen Staaten:


… in Großbritannien spricht man von einer Rasse


… in Australien von „Non-English Speaking Background“ (NESPB)


… in Kanada von „visible minorities“


… in den USA von „foreign born“


… in Frankreich von „étranger“ (Fremder) und


… in Österreich von „Personen mit Migrationshintergrund“

Grundsätzlich gilt, dass alle Menschen gleich geboren sind. Dies impliziert die juristische Gleichbehandlung, d.h. es gelten die gleichen rechtsstaatlichen Verfahren für alle.


Schwieriger zu gestalten ist aber die soziale Gleichbehandlung. Ein Schlagwort dazu ist die positive wie auch die negative Diskriminierung.


Die folgenden Beispiele sollen helfen, die Dilemmata hierbei zu veranschaulichen:


(1) Eine positive Diskriminierung wird gewählt, damit benachteiligte Gruppen den Entwicklungsrückstand aufholen können. In den USA gibt es die „one drop rule“. Ein einziger schwarzer Vorfahre genügt, um eine bevorzugte Aufnahme auf den amerikanischen Elite – Universitäten zu erwirken. Eine Erhöhung der Frauenquote – beispielsweise im Parlament – zählt auch zur positiven Diskriminierung. Lustig oder nicht?


(2) Eine negative Diskriminierung findet aber auch ihre – zumindest psychologische – Rechtfertigung. Warum sollte ein Unternehmen Bewerbern aus Problemgruppen eine Anstellung geben, wenn eine solche – statistisch gesehen – überdurchschnittlich häufig mit Querelen verbunden ist.


(3) Jeder Mensch, der verfolgt wird, darf sein Land verlassen (UN-Flüchtlingskonvention). Aber nirgendwo steht geschrieben, dass er auch in einem Land – vor allem in einem ganz bestimmten – aufgenommen werden muss. Nach der Dublin-II-Verordnung zählen jene EU-Staaten wie Malta, Italien, Spanien und vor allem Griechenland zu jenen Staaten, in denen die Registrierung und die Erst-
aufnahme abgewickelt werden muss. Nur Deutschland hat einseitig von einer temporären Ausnahmebestimmung Gebrauch gemacht, dass die Registrierung und Erstauf-
nahme auch in Deutschland – inkl. Welcome-Kultur – erfolgen darf (Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 der Dublin III- Verordnung).


(4) Dies gilt ebenso für die Menschenrechte, die im 18. Jhdt. erklärt, im 19. Jhdt. – zumindest in Europa – teilweise akzeptiert und im 20. Jhdt. vielerorts bereits verwirklicht wurden. Und im 21. Jhdt. sollten sie nunmehr universelle Gültigkeit haben. Aber ihr universeller Gültigkeitsanspruch kollidiert mit der nationalen Migrationspolitik in fast allen Staaten, aber auch mit dem Umstand, dass er – vor allem in Asien – als eine neue Form des westlichen Kulturimperialismus gedeutet wird.


(5) Eine soziale Gleichbehandlung steht auch im Widerspruch zur Durchsetzung unserer säkularen Werte. Wie kann die freie Wahl einer Religion oder auch der Wunsch, ohne religiösem Bekenntnis zu leben, durchgesetzt werden, wenn beispielsweise der Abfall vom Islam als ein todeswürdiges Verbrechen gilt.


(6) Eine Gleichbehandlung bei der Mindestsicherung und die geringen Chancen einer Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt fördern die Entwicklung parasitärer Parallelgesellschaften. Und das Fatale daran ist, dass diese Muster der Integrationsverweigerung an die Nachkommen der Migranten tradiert werden.


(7) Vielen Migranten fehlt weitgehend das Verständnis dafür, dass auch sie eine Bringschuld zu leisten haben, indem sie einen Beitrag erbringen, der ihre Anwesenheit in unserem Land rechtfertigt.


(8) Ein weiteres Dilemma ergibt sich aus dem Widerspruch zwischen Gleichbehandlung und Lebensstilen bzw. Religionsformen, die unsere offene Gesellschaft bedrohen. Gleichbehandlung kann kein feiges Wegschauen sein, wie es in Frankreich und Belgien geschah, sondern dazu bedarf es einer aktiven Integrationspolitik mit klaren Regeln wie auch durchsetzbaren Sanktionen.



Auch viele Afrikaner haben in Wien eine neue Heimat gefunden

Auch viele Afrikaner haben in
Wien eine neue Heimat gefunden



Gemma Lugner City

Gemma Lugner City


C. Ängste der Alteingesessenen


Die Alteingesessenen plagen sowohl diffuse (mehr gefühlt als real ganz konkret benennbar) wie auch ganz reale – konkret benennbare – Ängste.


Hier drängt sich aber eine wichtige Frage auf, wer denn eigentlich zu den Alteingesessenen (Autochthonen) und wer zu den Zuwanderern (Allochthonen) zu zählen ist.


Dazu zwei Beispiele zur Illustration – eines aus der Psychologie und eines aus der jüngeren österreichischen Geschichte.


Wenn jemand eine Bahnfahrt antritt, dann ist er eigentlich ganz froh, wenn er ein leeres Abteil findet. Er kann sich ausbreiten, er kann auch beide Bänke zusammenschieben und sich ausruhen. Einer wunderbaren Bahnfahrt steht somit nichts mehr im Wege.

Bereits nach einiger Zeit Bahnfahrt kommt eine junge Familie mit zwei Kindern, wenngleich im Aussehen und Kleidung ein bisschen fremdländisch. Etwas widerwillig zwar, aber doch überlässt man die andere Sitzreihe der jungen Familie.

Und so reisen sie eine Zeitlang jeder für sich separat, aber durchaus stressfrei.

Plötzlich wird aber diese Idylle durch das Eindringen einer Gruppe von Hooligans jäh unterbrochen. Nun aber ist die Katastrophe perfekt.

Aber wie geht es jetzt weiter und wie können wir diese unleidliche Gruppe in unser kleines Abteil integrieren? Oder doch nicht?


Das zweite Beispiel verweist auf die unseligen Jahre vor hundert Jahren. Damals – 1914/1915 – nach den vielen Niederlagen der österreichischen Armee in Russland strömten viele jüdische Flüchtlinge aus Galizien mit ihrem orthodoxen Habit und der ganzen Mischpoche nach Wien und wurden von den alteingesessenen jüdischen – nunmehr bereits integrierten – Glaubensbrüdern und vor allem von den bereits vielfach Assimilierten mit durchaus antisemitischen Vorurteilen abgelehnt.


Ein weiterer wichtiger Aspekt einer diffusen Angst, d.h. einer nicht genau benennbaren, in ihren Hintergründen und Folgen nicht genau auslotbaren Angst, bezieht sich auf die „gefühlte“ Angst.


Wir kennen dieses Phänomen aus der Meteorologie, wenn das Thermometer nicht mehr als – 10 Grad Celsius zeigt, aber da der Wind einem direkt ins Gesicht peitscht, sind es dann „gefühlte“ – 20 Grad Celsius.


Nicht mehr als 40 % der Wiener Bevölkerung weisen einen Migrationshintergrund aus, gefühlt sind es aber 80% und mehr. Wie kommt aber dieses Phänomen zustande?
Ganz einfach: Es handelt sich hierbei um eine Okkupation des öffentlichen Raumes durch Migranten, die dann von den Alteingesessenen als äußerst bedrohlich empfunden wird.


Wenn man in Wien mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, Märkte oder auch öffentliche Parkanlagen aufsucht, dann hört man kein deutsches Wort.


Warum dies aber? Flüchtlinge, aber auch die anderen Migranten okkupieren den öffentlichen Raum, da sie anders als die Altösterreicher bei ihren Wohnungen über keine Balkone oder eigene Gärten verfügen.

Dazu kommt noch, dass sich in den mediterranen Ländern das öffentliche wie auch das gesellige Leben auf den Markplätzen abspielt. Griechische Philosophen wie z. B. Sokrates lehrten auf der Agora (lateinisch: Forum).


Dagegen ist eigentlich nicht viel einzuwenden, außer der historischen Tatsache, dass bereits im antiken Athen dieser Raum nur Männern vorbehalten war – und daran hat sich – selbst nach mehr als zweitausend Jahren – nichts geändert.


Neben diesen diffusen Ängsten gibt es aber auch durchaus sehr konkrete wie…


(1) Angst vor Überfällen und Belästigungen.


(2) Angst vor terroristischen Anschlägen.


(3) Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes – vornehmlich wegen des unkontrollierten Einstromes aus den EU-Ostländern.


(4) Angst vor den steigenden Kosten für die öffentliche Sicherheit, für die Unterbringung, Versorgung und Qualifizierung der Flüchtlinge sowie den steigenden steuerlichen Belastungen


(5) Angst vor dem Verlust unserer bisherigen Lebensweise.



Jugendliche Flüchtlinge vor einer U-Bahn-Station

Jugendliche Flüchtlinge vor
einer U-Bahn-Station



Treffpunkt öffentlicher Raum

Treffpunkt öffentlicher Raum



Treffpunkt öffentlicher Raum I

Treffpunkt öffentlicher Raum I

D. Brauchen wir eigentlich Migranten?


Es gibt ganz spezielle Argumente, die für die Aufnahme von Flüchtlingen ins Treffen geführt werden: Unser Land benötigt deshalb Migranten, damit das Wirtschaftswachs-
tum gesteigert wird, der Sozialstaat aufrechterhalten bleiben kann, neue Konsumenten gewonnen werden und „last but not least“ Europa nicht vergreist.


Was aber spricht für und was gegen die Aufnahme von Flüchtlingen im Sinne der obigen Annahme, dass wir Migranten brauchen.


PROs:


(1) Flüchtlinge sollen helfen, die „Vergreisung“ unserer Gesellschaft zu stoppen. Um dies zu bewerkstelligen bedürfte es – laut einer UN-Studie – einer jährlichen Nettozuwanderung von 4,8 %. Dies würde für Österreich ungefähr 400.000 Menschen jährlich bedeuten. Was aber völlig aberwitzig ist!


(2) Die Wirtschaft (vor allem die deutsche) braucht billige Arbeitskräfte (siehe Vorschlag der 1€-Jobs). Allerdings ist dadurch eine Verdrängung auf dem Arbeitsmarkt – vor allem der bisherigen Arbeitskräfte aus EU-Osteuropa – nicht auszuschließen.


(3) Belebung unserer folkloristischen Kultur – vor allem der Esskultur.


(4) Entdecken und Förderung neuer Talente unter den Flüchtlingen für die Sektoren Kunst, Wissenschaft und vor allem Sport.


CONTRAs:


(1) Steigende Fiskal- und Sozialkosten


(2) Steigende Kriminalität und Terrorismus


(3) Zunahme der politischen Instabilität in unserem Land

Resümee:


Flüchtlings- und Einwanderungspolitik sollten nicht miteinander vermischt werden. Denn die Flüchtlinge können keine Antwort auf die Überalterung unserer Gesellschaft sein, weil ….


(1) Eine Gesellschaft, die nicht von sich aus in der Lage ist, sich demografisch zu erhalten, ist auch nicht innovativ und wird sklerotisch.


(2) Nicht die demografische Quantität der Einwanderer, sondern vielmehr ihre Qualität sollte das Leitmotiv sein.


(3) Man soll nicht nur die Zahl der Kinder finanziell fördern, sondern sie auch im Sinne einer säkularen Kultur erziehen.


(4) Den entscheidendsten Einfluss haben aber die öffentlichen Institutionen bei der Bildung/Qualifizierung, wiewohl deren pragmatische Umsetzung ungemein schwierig ist. Erfolgreiche Politik und erfolgreiches Unterrichten sind das „ Bohren von ganz dicken Brettern“ (frei nach Max Weber).


(5) Auch die Wehrpflicht im österreichischen Bundesheer für junge Flüchtlinge mit einem positiven Asylbescheid soll mit zur Integration in unsere Gesellschaft beitragen.


(6) Die steigenden Kosten für unser Sozialsystem können nur durch eine höhere Produktivität und eine stärkere Technisierung bzw. Automatisierung aufgefangen werden.

Österreich kann aber auch auf eine sehr „erfolgreiche“ aktive Einwanderungspolitik (die sogenannte RWR –Rot-Weiß-Rot-Karte) für Hochqualifizierte, Fachkräfte in Mangelberufen, sonstige Schlüsselkräfte und Studienabsolventen an österreichische Hochschulen, die den amerikanischen „green cards“ nachempfunden ist, verweisen.


Am 1. Juli 2011 wurde diese Möglichkeit – mit angepeilten 8.000 Bewilligungen jährlich – mit großem Pomp aus der Taufe gehoben.


Die bisherigen Ergebnisse waren aber niederschmetternd genug: nicht mehr als ca. 1.500 Bewilligungen jährlich.


Eine aktive Einwanderungspolitik sieht allerdings anders aus!


Brauchen wir viele Kinder?

Brauchen wir viele Kinder?



E. Chancen und Grenzen einer Integration


Für Menschen mit Migrationshintergrund bildet die Integration einen breiten Weg gegenseitiger Auseinandersetzungen, von Kommunikation und dem Finden von Gemeinsamkeiten sowie der Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung auf beiden Seiten.


Im Gegensatz zur Assimilation (völlige Anpassung) verlangt die Integration nicht die Aufgabe der nationalen Identität.


Eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in der Aufnahmegesellschaft verlangt den Erwerb von ganz speziellen Kenntnissen, Fähigkeiten und der Bereitschaft zur Akzeptanz säkularer Basiswerte sowie anerkannter Sekundärtugenden wie z.B. Fleiß, Pünktlichkeit, Disziplin sowie Ordnung und zudem die Anerkennung unseres Rechtsstaates.


Der Prozess der Integration verläuft über verschiedene Stationen, wobei die Integration in den Arbeitsmarkt die mit Abstand wichtigste ist. Ein sicherer Arbeitsplatz verschafft ein festes Einkommen, Sozialprestige und soziale Beziehungen – auch in der Aufnahmegesellschaft.


Bisherige Erfahrungen zeigen aber, dass nicht mehr als 10 – 20 % -der Flüchtlinge, trotz unter Umständen aufwendiger Qualifizierungsmaßnahmen längerfristig (zumindest länger als sechs Monate nach Abschluss einer Qualifizierungsmaßnahme durch das AMS oder einer anderen Bildungsinstitution) eine Beschäftigung fanden.


In den Niederlanden betrug zwar 2010 die Arbeitsplatz-
partizipation von Somalier 26 %, Iraker 34 %, Afghanen 42 %. Es ist allerdings nicht bekannt, ob es sich hierbei um eine nachhaltige Integration in der Arbeitsmarkt handelte. Dies kann nämlich mit Fug und Recht bezweifelt werden. Es bleibt somit bei der 10 bis 20%-tigen Integrationsrate auf dem Arbeitsmarkt.


Integration ist primär eine soziale und keine religiöse Frage. Dies gilt mit gewissen Einschränkungen auch für die islamischen Migranten. In diesem Fall kommt lediglich hinzu, dass die Religion einen probaten Ausstieg aus der sozialen Misere anbietet.


Der niederländische Soziologe Ruud Koopmans schätzt, dass ca. 40% der Moslems in Westeuropa als fundamen-
talistisch zu bezeichnen sind. Aus diesem riesigen Reservoir, das beträchtlich größer als das seinerzeit für die RAF ist, können die Terroristen schöpfen. Daraus rekrutiert sich auch – was pekuniär für unser Sozialsystem ungleich schmerzhafter ist – die große Zahl der Integrationsverweigerer, die unseren Sozialstaat massiv belasten.


Die Migranten mit ihren niedrigen Integrationsraten in den Erwerbsmarkt führen zwangsläufig zu einer Explosion der Arbeitslosenzahlen (den höchsten seit 1945) und jener mit Mindestsicherung.


Im März 2016 wurden in Österreich ungefähr 370.000 Arbeitslose gezählt.


Gegenüber 2005 bedeutet dies eine Steigerung um 45 %.
Noch eine weitere Kennziffer dazu ist von allgemeinem Interesse: davon waren fast 30% Ausländer, bei nicht mehr als 13 % Ausländer unter der österreichischen Bevölkerung.

2014 bezogen ungefähr 260.00 Personen eine Mindestsicherung, davon leben 60 % in Wien.


Wie man sieht, Wien ist ein „hot spot“


Und dies alles belastet unser Sozialsystem massiv, wodurch es ganz zwangsläufig zu extremen Schieflagen kommen muss.


Dazu ein kleines Beispiel:


Eine fünfköpfige Familie, der der Asylstatus zuerkannt wurde, kann demnach mit € 1.941,76 monatlich rechnen. Warum sollte da das Familienoberhaupt eine Erwerbsarbeit aufnehmen? Er kann sich hierbei finanziell nur verschlechtern.


Einen weiteren Brennpunkt bilden die vielen Illegalen, die sich jeder Kontrolle entziehen, und mit den abgelehnten Asylanten, die allesamt partout in Österreich bleiben wollen, wodurch die Gefahr einer Entwicklung von Schattengesellschaften extrem begünstigt wird.


Und die Abschiebungen erfolgen – trotz großer Anstrengungen – noch immer sehr zögerlich. Zwar wurden im 1. Quartal 2016 genauso viele abgeschoben wie im gesamten Jahr 2014. Aber die absoluten Zahlen sind sehr ernüchternd genug: nicht mehr als jeweils 900 Personen im gesamten Jahr 2014 und im 1. Quartal 2016.


Diesbezüglich besteht auch das große Problem der subsidiär Schutzberechtigten, die nicht in ihr Heimatland abgeschoben werden dürfen, wenn diesen Gefahr und Verfolgung drohen, beispielsweise die Abschiebung eines bekennenden Homosexuellen in ein arabisches Land.


Die Bundesrepublik Deutschland war aber in dieser Hinsicht auch nicht unbedingt erfolgreicher: 2015 gab es ungefähr 20.000 Abschiebungen.


Eine weitere Belastung, die so gut wie nie thematisiert wird, bildet der Familiennachzug. Von den ca. 90.000 Flüchtlingen, die 2015 – wie auch immer – nach Österreich gelangten, werden wie viele Familienzusammenführungen beantragen?


Dazu ein kleines Beispiel, das wahrlich keinen Einzelfall darstellt, konnte kürzlich der Zeitschrift „Der Spiegel“ entnommen werden:


Mohammed Jhili, 36, Buchhalter aus dem syrischen Aleppo floh 2014 mit seiner Frau und seinen vier Kindern in die Türkei. Im Sommer 2015 machte er sich mit einem Kind auf den Weg nach Deutschland. Jetzt wartet er darauf, dass er seine Frau und die anderen drei Kinder nach Deutschland holen kann.


Maßnahmen für eine möglicherweise geglückte Integration


(1) Eine Integration gelingt umso leichter, je früher jemand in den Arbeitsprozess integriert werden kann. Dies ist zwar kein Ersatz für eine Qualifizierung, ist aber ein erster Schritt dazu. In einem solchen Fall sollte es aber so sein, dass die Annahme einer solchen Tätigkeit zu keiner Kürzung des Arbeitslosengeldes bzw. der Mindestsicherung führt.


(2) Billigjobs könnten auch im Sozialbereich (Altenpflege) und bei kommunalen Einrichtungen (beispielsweise in der Parkpflege geschaffen) werden.


(3) Denkbar ist auch der Ausbau des Systems von Dienstleistungsschecks. In jeder Trafik bzw. auf allen Postämtern können für 5 € oder 10 € Schecks gekauft werden, mit denen Reinigungskräfte oder Gartenarbeiter bezahlt werden, ohne dass ihnen ihre Sozialleistungen gekürzt werden.


(4) Asylanten mit Aufenthaltsbewilligung dürfen in Eigenregie Sozialläden und auch Suppenküchen betreiben, wobei ihnen die dafür notwendige Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird.


(5) Ermunterung und finanzielle sowie beratende Hilfestellung auf dem Wege zur Selbstständigkeit.


(6) Zulassung der Asylwerber – noch vor Abschluss des Asylantrages – bereits nach sechs Wochen Qualifizierung und ohne Beschränkung auf bestimmte Branchen.


(7) Man wird auch nicht umhin kommen, vor allem eigene Beschäftigungsprogramme aufzulegen, um präventiv Kriminalität und Terrorismus unter den islamischen Jugendlichen hintanzuhalten.


(8) Sicherheitspolitische Prävention zur Verhinderung steigender Kriminalität und Terrorismus in Österreich – vor allem im Hinblick auf den sensiblen Tourismus-
sektor – und dies ist wahrlich ein Gebot der Stunde – muss immer mehr in die Überlegungen und Strategien einbezogen werden. Siehe dazu nur die folgenschweren Auswirkungen terroristischer Angriffe auf Touristen und damit auch auf die Wirtschaft in Ländern wie Tunesien oder Ägypten.

Grundsätzlich gilt aber, dass alles, was zu einer Beschäftigung von Migranten führt, letztlich unseren Sozialstaat entlastet.



Orientalische Spezialitäten

Orientalische Spezialitäten



Der Gemüsehandel fest in türkischer Hand

Der Gemüsehandel fest in türkischer Hand



Ein orientalischer Kiosk

Ein orientalischer Kiosk



Eine türkische Bäckerei

Eine türkische Bäckerei



Ein türkischer Supermarkt

Ein türkischer Supermarkt


Die neueste Mode aus Istanbul

Die neueste Mode aus Istanbul


F. Vermischtes zur Qualifizierung von Migranten


Eine arbeitsmarktorientierte Qualifizierung ist eigentlich der Dreh- und Angelpunkt einer erfolgreichen Integration in die gewünschte Aufnahmegesellschaft, wenngleich letztlich nur die Integration in den Arbeitsmarkt den Gradmesser für eine erfolgreiche Integration bilden kann. Denn Qualifizierungen allein dürfen nie Selbstzweck sein.


Ich will nicht unbedingt wider den Strich bürsten. Aber die Übertonung einer Notwendigkeit von Deutschkursen für Flüchtlinge als Voraussetzung für eine Integration in die österreichische Gesellschaft scheint mir mehr ein Ausdruck einer Hilflosigkeit österreichischer Stellen und des Weiteren eine reine Beschäftigungstherapie für die Flüchtlinge zu sein.

Ungleich wichtiger wäre hingegen – wie damals in 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts – berufsorientierte Kurse verbunden mit Deutschlernen, also einem Sprachkurs „on the job“, anzubieten. Dies zu organisieren wäre aber ungleich ambitionierter und letztlich auch erfolgreicher.
Und sollte dies nicht möglich sein, dann sollte zumindest jeder Deutschkurs gezielt mit der Vermittlung jener Werte, die für unsere offene und säkulare Gesellschaft bestimmend sind, kombiniert werden.


Im Folgenden soll kursorisch Vermischtes zur Integration von Migranten in den Kindergärten, Schulen sowie bei der Qualifizierung in den unterschiedlichen Bildungsinsti-
tutionen gebracht werden.


Die nun folgenden Meldungen wurden österreichischen Printmedien entnommen – und von mir kommentiert.


(1) Ein Drittel der Schüler ist nach Abschluss ihrer Pflichtschulzeit nicht vermittelbar. Ich denke aber, dass die wahren Werte bedeutend höher sind, wenn man diese Zahlen auf die Schüler mit Migrationshintergrund einschränkt. Beispielsweise treten mehr als 60 % der türkischstämmigen Burschen und ungefähr 80 % der Mädchen keine Lehre an.


(2) Einführung eines zusätzlichen Ethikunterrichtes, neben dem Religionsunterricht, der sich wahrscheinlich nicht abschaffen lässt.


(3) Verbot konfessioneller Kindergarten. Ganz speziell in den islamischen Kindergärten wird dem Grundgedanken einer Integration in die Aufnahmegesellschaft mit ihren säkularen Wertvorstellungen überhaupt nicht Rechnung getragen. Zudem gibt es kein deutschsprechendes Personal, sehr wohl aber eine islamische Indoktrinierung und Abschottung von der Mehrheitsgesellschaft.


(4) Verpflichtende Einbindung – auch muslimischer – Eltern in den Schulalltag ihrer Kinder durch Teilnahme an Elternversammlungen und anderer schulischer Aktivitäten.


(5) Abkehr der Kuschelpädagogik und stärkere Betonung des Leistungsgedankens – vor allem auch in den Wiener Schulen.


(6) Derzeit werden – vornehmlich in Wien – ungefähr 6.300 minderjährige Flüchtlinge zwischen 15 und 18 Jahren gezählt, die sich in der Grundversorgung befinden. Für diese höchst explosive Mischung gibt es so gut wie keine Angebote zur Qualifizierung und auch keine Lehrstellen. Daher tut der Aufbau eines eigenen Curriculums not. Auch Sportangebote könnten helfen, ihre überschüssige Energie abzubauen. Ohne diese sind Aggressionen und des Weiteren – ohne ein Prophet zu sein – der Weg in die Kriminalität und zum Terrorismus unausweichlich.



Islamische Schule und islamischer Kindergarten

Islamische Schule und islamischer Kindergarten

G. Schlussbemerkungen


Wie geht es weiter?

Winston Churchill hat einmal davon gesprochen, dass die schwierigste Prognose jene in die Zukunft sei.


Trotzdem muss es erlaubt sein, aufgrund unserer Erfahrungen Entwicklungslinien – mit zumindest einem mittelfristigen Zeithorizont bis 2030 – aufzuzeigen.


Worst Case-Szenario:


(1) Die Flüchtlingsflut hält unvermindert an. Die Folge ist eine extreme Radikalisierung unter den Alteingesessenen (dazu zählen auch die alteingesessenen Migranten) zur Abwehr neuer Migrantenströme.


(2) Wien hat den ersten muslimischen Bürgermeister von Österreich, der wenngleich selbst zwar moderat, aber nur in einer Koalition mit den fundamentalistischen islamischen Parteien sein Amt erobern konnte, die nun ihrerseits mit aller Vehemenz ihre Rechte einfordern.


(3) In Wien, aber auch in anderen Städten Österreichs haben sich für die Polizei und andere öffentliche Stellen „zones rouges“ bzw. „no go areas“ herausgebildet, in der die Scharia für die Rechtsprechung sorgt.


(4) Einer steigenden multikulturellen Bandenkriminalität, da die Integration in den Arbeitsmarkt nicht funktioniert hat, kann nur mit erhöhten privaten Sicherheitsausgaben und mit einem verstärkten Sicherheitsaufwand für die Polizei und anderer öffentlicher Stellen begegnet werden.


(5) Steigende Angst vor dem islamischen Terrorismus, da auch die die Zahl der desillusionierten und nicht integrierbaren muslimischen Jugendlichen ständig steigt.


(6) Es haben sich bereits viele abgeschottete Parallelgesellschaften gebildet, für die ein gemeinsames Wir keine Gültigkeit hat. Österreich unterteilt sich nicht nur in neun Bundesländer, sondern Städte wie Wien beherbergen bis zu 20 und mehr verschiedene segregierte Nationalitäten, die sich zuweilen heftig befehden.


Best Case-Szenario:


(1) Durch die vielen vertrauensbildenden Maßnahmen hat sich auch unter den Migranten ein Wir-Gefühl herausgebildet, das sich vor allem bei erfolgreichen internationalen Auftritten unserer Fußball-National-
mannschaft einstellt.


(2) Die religiösen Trennlinien bestehen zwar noch, sie konnten auch noch nicht überwunden werden. Ein friedliches Nebeneinander der Religionen wird aber dennoch gelebt.


(3) Auch der Islam konnte sich unter dem säkularen Dach unseres Staates einbringen. Religion wird immer mehr als Privatsache angesehen.


(4) Vor allem islamische Jugendliche verstehen immer mehr, dass zwischen unserer Konsumgesellschaft und unserer offenen Gesellschaft ein enger Zusammenhang besteht.


(5) Es beginnt auch, wenngleich sehr zögerlich, eine Umwertung der Werte: Gleichbehandlung der Frau, Anerkennung der repräsentativen Demokratie, die Bedeutung einer fundierten Ausbildung – auch für Mädchen – wird zunehmend erkannt wie auch eine steigende Wertschätzung manueller Arbeit, des Handwerkes.


(6) Die Beschäftigungsprogramme für Jugendliche mit islamischem Migrationshintergrund haben insofern gegriffen, da Terrorismus und Kriminalität weitgehend hintangehalten werden konnten.


(7) Eine Integration in den Arbeitsmarkt ist aber trotz vielfältiger Qualifizierungsmaßnahmen misslungen. Dazu bedürfte es allerdings einer nachhaltigen Belebung der Konjunktur. Einzigen Lichtblick diesbezüglich bildet die vermehrte Selbstständigkeit im Handel und Dienstleistungsbereich. Denn die Migranten sind auch Konsumenten, die bevorzugt bei ihren eigenen Leuten einkaufen.


(8) Die jährlichen Richtwerte für die Aufnahme von Flüchtlingen – mit stark fallender Tendenz – konnten eingehalten werden.


Alles in allem lässt sich zusammenfassend sagen:


Das Worst – Case-Szenario entspricht dem Weg, den Frankreich und Belgien gehen mussten.


Das Best Case-Szenario wäre der österreichische Weg, der uns allen nur zu wünschen ist. Dazu bedarf es aber enormer Anstrengungen fiskalischer und sozialer Natur.

Wien, im April 2016

Dr. Kurt Traar



Empfehlenswerte Literatur:


Friedrich Heckmann: Integration von Migranten. Einwanderung und neue Nationenbildung, Springer Verlag, Wiesbaden, 2015.


Statistik Austria: migration & integration, zahlen.daten.indikatoren, Wien, 2015.


Paul Scheffer : Die Eingewanderten, Toleranz in einer grenzenlosen Welt, Carl Hanser Verlag, München, 2016.

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Alle Kommentare

  • Waltraud Ebner 26.10.2016, 13:29 Uhr

    Ich sehe das Problem ähnlich, doch frage ich mich, wie man Menschen, die vor Krieg und Bedrohungen fliehen, oft 3 Monate lang zu Fuß unterwegs waren, währenddessen schwanger waren, ihre Kleinkinder und Säuglinge den ganzen Weg getragen haben, unterstellen kann, sie wollten es sich bei uns nur „besser gehen lassen“. Ich frage mich auch, wieso Europa letztes Jahr von den Ereignissen „überrollt“ wurde, wo doch schon 2012 der Heeressicherheitsdienst diese Entwicklung angesprochen hat. Wer hat da wen ins offene Messer laufen gelassen?
    Die große Problematik besteht darin, dass zwar der urbane Raum scheinbar für diese Menschen mehr Entwicklungsmöglichkeiten bietet, doch gleichzeitig eine Konzentration dieser Menschengruppen erfolgt mit allen Konsequenzen (Ghettobildung, Konflikte zwischen rivalisierenden Gruppen, Drogenhandel….) Für mich wäre es nachvollziehbarer, die Leute in kleinen Gruppen gleichmäßig in Österreich zu verteilen. Wir haben hier in unserer Marktgemeinde an die 30 Flüchtlinge, alles Muslime, Syrer, Iraker, Afghanen, ca 10 haben schon Asyl, eine Familie lebt schon in den eigenen 4 Wänden, alle Kinder gehen in den Kindergarten, alle älteren Kinder in die Schule, es existiert ein Deutschkurs auf freiwilliger Basis, einige besuchen schon den A2 bzw B1 Kurs. Die Erwachsenen helfen beim Dorferneuerungsverein, bei Gemeindearbeit und bei Feuerwehrfesten. Und dann gibt es plötzlich eine „Schulung“ für Flüchtlinge von der Caritas, in der kommuniziert wird, dass sie in Wien bessere Chancen hätten und auch mehr Geld bekämen. Einige der alleinstehenden jungen Männer sind auch schon nach Wien gezogen, doch die Familien wollen nicht in die Stadt. Und hier bei uns ist auch nicht das Paradies: Die Hälfte der Leute hier ist über den „Zuwachs“ nicht glücklich. Immerhin gehen die Frauen teilweise ohne Kopfbedeckung, und der übliche Gruß ist: Grüss Gott, wie geht es dir? Hand geben ist kein Problem. Natürlich beten sie, wie sie es gewohnt sind, und die Familie geht über alles. Was ist schlecht daran? Ich denke, im ländlichen Raum ist eine Integration viel leichter, wobei das was hier bei uns stattfindet, noch lange keine Integration ist.

  • Ernst Gross 13.05.2016, 4:18 Uhr

    Integration heißt auch, sich im Ethikunterricht mit der Kultur des asylgewährenden Staates vertraut zu machen und diese im öffentlichen Leben auch zu befolgen!

    Ein gutes Beispiel dazu bietet die Schweiz: Es ist dort üblich, in der Früh der Lehrerin die Hand zu geben – ein Akt der Höflichkeit, eine Wertschätzung gegenüber der „Frau Lehrerin“.
    Nur in einer säkularen Gesellschaft, in der Religion „Privatsache“ bleibt, kann Integration gelingen